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Kopfsache schlank

Das leidliche Thema mit der Figur

Eigentlich habe ich mich nie nicht mit dem Thema „Schlank sein“ und „Figur“ befasst. Seit ich denken kann, ist das ein Teil meines Lebens. Doch vor wenigen Jahren habe ich es noch einmal stärker in meinen Fokus gerückt, als dies ohnehin schon der Fall war…

2012 spürte ich in mir den unüberhörbaren Wunsch nach mehr Fitness und damit einhergehend einer schlankeren Figur, dem ich nicht nur nicht nachgeben konnte, sondern der mich auch seither immer weiter voran treibt.
Ich habe damals angefangen, sehr viel mehr und intensiver Sport zu treiben (nachzulesen auf meinem uralten Blog „Leben für Anfänger und Fortgeschrittene“), meine Ernährung zu überdenken und damit gewissermaßen mein ganzes Leben umzukrempeln.

Ich bin wirklich sehr, sehr weit gekommen; und doch fühle ich mich immer noch nicht am Ziel…
Ich habe zwar eine recht passable Figur und Fitness vorzuweisen, der Preis, den ich auf der Seite meiner Ernährung dafür bezahle, ist jedoch hoch: Phasen zwischen Fressattacken und Hungersnöten wechseln sich in einem unwahrscheinlich hohen Tempo ab. Es kann sein, dass ich in einer Woche zwei Fastentage mit nur 500kcal einlege, um meine (in der Regel vorangegangenen) Fressattacken auszugleichen.

So kann und will ich wirklich nicht ewig weitermachen. Das ist weder gesund noch auf lange Sicht durchhaltbar und laugt mich emotional regelrecht aus.

Auswege aus der Fressfalle?

Ich suche also parallel zu meinem Kampf, meine augenblickliche Figur und mein Gewicht zu halten, seit längerem nach einer Lösung, die endlich mehr Ruhe und Gleichmaß in mein Leben bringt – dass die Dinge aus dem Lot sind, ist ja unschwer zu erkennen…

So bin ich kürzlich auf dem [wirklich sehr interessanten und empfehlenswerten] Blog von Mark Maslow [dessen Artikel und Recherchen ich in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder aufmerksam studiere] über ein Interview von ihm mit Iris Zachenhofer zu ihrem Buch „Kopfsache schlank“ gestolpert und sofort gebannt hängen geblieben.
Die Frau spricht mir aus dem Herzen… Dieses ewige Hin und Her; Tipps hier und Ratschläge da, die aufgrund der Vielfalt und unterschiedlichen Sichtweisen sich nicht selten widersprechen, hat bei mir inzwischen bald mehr Verwirrung angerichtet, als Klarheit, was denn nun die „richtige“ gesunde Ernährungsform ist, mit der ich schlank, fit und ausgeglichen bleiben kann.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ernährungsratgebern offenbart Iris Zachenhofer nicht den einen erfolgversprechenden Lösungsweg [der sich aber leider Gottes gerade nicht in meinen individuellen Lebensstil integrieren lässt], sondern erklärt anhand der Wirkweise unsres Gehirns und dem Zusammenspiel der Hormone, wie man selbst seinen ureigenen Weg zu einem gesunden/dauerhaft schlanken Leben erschaffen kann.

Das Interview ist als Podcast nachzuhören; und unmittelbar nachdem ich es mir angehört hatte, habe ich mir tatsächlich Iris‘ Buch bestellt. [Hier ist der dazugehöroge Artikel nachzulesen.]

Das sehr unterhaltsam geschriebene und gut lesbare Buch verschlang ich quasi in einem Rutsch, wobei mir sofort klar war, dass ich es sicherlich noch mindestens einmal würde lesen oder noch besser durcharbeiten müssen, um den gewünschten Nutzen für mich heraus zu ziehen.

Meine augenöffnende Analyse

Vor wenigen Tagen habe mich nun also bewaffnet mit einer leeren Kladde, [die ich seit sicher zehn Jahren dekorativ auf meinem Regal herum liegen habe und die seither auf ihren sinnstiftenden Einsatz zu warten scheint] daran gemacht, die Fragen, die Iris in ihrem Buch für sich beantwortet, entsprechend für mich selbst zu klären.

Das war gar nicht so leicht.
Doch ich habe viele sehr aufschlussreiche Einsichten über mich und mein Ernährungsverhalten gewonnen, das seinen Ursprung direkt in meinen Lebensumständen hat. Wie eng diese Zusammenhänge sind, war mir bis dato nicht in dem Ausmaß klar, und das obwohl ich mich seit Jahren sehr intensiv mit mir und meinem Leben und damit, was ich brauche, um glücklich zu sein, auseinandersetze.

Parallel zu den Kapiteln des Buches habe ich also mein bisheriges Essverhalten unter die Lupe genommen. Habe mich gefragt, was ich früher so gegessen habe, als ich [scheinbar mühelos] mein Gewicht hielt usw.. Erschreckenderweise habe ich dabei festgestellt, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie einen wirklich gesunden Lebensstil in Bezug auf meine Ernährung hatte!
Als Kind war ich immer leicht moppelig [wobei ich mich allerdings eher an Sätze wie „Du bist dick“ erinnere]. Wenn ich mir heute jedoch alte Fotos aus dieser Zeit anschaue, sehe ich kein dickes Kind. Ich hatte ein ziemlich starkes Hohlkreuz, was so wirkte, als hätte ich einen viel dickeren Bauch und weswegen ich mit 12 für etwa eineinhalb Jahre ein Korsett tragen musste. Als Gegenentwurf dazu manövrierte ich mich nach dieser Zeit so mit 13/14 Jahren an den Rand einer Magersucht…
Einzig etwa zwischen 15 und 17 Jahren hatte ich ein halbwegs stabiles Gewicht und eine tolle Figur, die ich mir infolge eines riesigen Haufens an Frust und Trauer unterschiedlicher Quellen mit 18 durch vollkommen unkontrollierte, zügellose  Fressphasen innerhalb von wenigen Monaten erst einmal für sehr, sehr lange Zeit ruiniert hatte.

Was ein gesundes, stabiles und regelmäßiges Essverhalten angeht, so fange ich faktisch bei Null an!

Das war schon eine ernüchternde Erkenntnis. Es gibt tatsächlich keine „ideale“ Phase in meinem Leben, die ich mir ins Gedächtnis rufen oder an die ich diesbezüglich anknüpfen könnte.

Zwar ist Essen für mich heute eine veritable Genussache, aber ich esse eben auch, um mich abzulenken, wenn’s mal schwierig wird in meinem Leben, um mich zu beruhigen, wenn ich Stress habe [allein die Kaubewegung wirkt ja bereits deeskalierend…] und nicht zuletzt um mich zu betäuben, wenn ich Situationen ausgesetzt bin, in denen ich Angst, Ohnmacht oder Frust erlebe, oder wenn mir Situationen ein Höchstmaß an Selbstbeherrschung abverlangen. Es ist dann, als ob bei mir alle Dämme brechen, und ich kann förmlich spüren, wie sich mein Zustand mit jedem Bissen, den ich in schierer Gier verschlinge, etwas entspannt.
Trotz zahlreicher Fressanfälle habe ich seit langem nicht mehr das Gefühl von echtem „Sattsein“ erlebt. Manchmal esse ich so viel, bis mir fast schlecht ist, um zumindest annähernd das befriedigende Gefühl von Sättigung zu spüren.

Bei meiner Anamnese wurde mir jedoch auch klar, dass eine gute, schlanke Figur zu haben, in meinem Leben immer und ausnahmslos mit einem betonten Fokus auf mein Essen und mein Gewicht einher ging. Ohne eine engmaschige Kontrolle habe ich es einfach nie geschafft, schlank zu sein oder zu bleiben.
Diese Tatsache kann ich allerdings recht gut als Preis akzeptieren, den ich eben dafür zahlen muss, schlank zu sein und mich entsprechend schön zu fühlen, entstamme ich nun mal leider keiner Familie, in der genetisch prädisponierte Zierlichkeit, ein niedriger Körperfettanteil und müheloses Schlanksein vorherrschen.

Schlank sein macht mich glücklich und ich zahle einen Preis dafür

Das ist okay.

In dem Moment, als ich mir dies gestern bewusst machte, konnte ich das erstaunlicherweise ohne Widerstand oder Bedauern hinnehmen.

Es macht mich glücklich, schlank zu sein. Das habe ich mir schon vor langem eingestanden und den Kampf mit meinen überflüssigen Pfunden aufgenommen.
Ich liebe Mode und in meiner Wahrnehmung sehen viele Klamotten einfach an dünnen Frauen cooler, lässiger oder eleganter aus [ohne damit irgendjemandem zu nahe treten zu wollen]. Das ist schlichtweg meine persönliche Wahrnehmung und bezieht sich in allererster Linie auf mich selbst.

Bei der Beantwortung der Frage, was mich glücklich macht, was also bei mir eine Ausschüttung von Dopamin bewirkt, taucht paradoxerweise auch [neben Nähen] das Thema Kochen und Backen auf. Paradox insofern, als dass ich mich durch anspruchsvolle Rezepte herausgefordert fühle und mich in meinem Ehrgeiz – gerade aus gesundheitlichen Gründen – angestachelt fühle, alles oder so viel wie möglich selbst zu machen. Habe ich diese Herausforderungen jedoch angenommen und gemeistert, ist die Versuchung, all die feinen, leckeren Dinge auch zu essen, nur umso größer…
Ich brauche somit eine Alternative zum Kochen, einen [oder mehrere] neuen bzw. weiteren Kanal, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Bloggen gehört in dieser Liste unbedingt dazu…

Ich liebe schöne Dinge

Wenn es um die Frage geht, aus welcher Quelle ich Dopamin schöpfe, steht bei mir alles Schöne an erster Stelle. Ich ziehe wirklich eine unheimlich Befriedigung aus schönen Dingen; speziell, wenn ich sie selbst gemacht habe.
Ich liebe den mondänen Look der 70er Jahre; egal ob es Mode oder Inneneinrichtung ist. Deshalb habe ich zum Beispiel beschlossen, mich jeden Tag so herzurichten, als ob ich etwas vor hätte, mit Schmuck, High Heels und allem, was dazu gehört. Das gibt mir einfach was -.

Was das Essen bzw. Mahlzeiten angeht, so halte ich mich für mich selbst strikt daran, mir mein Essen appetitlich auf einem Teller stilvoll anzurichten. Einfach so und nur für mich. Der Genuss und die Freude kommt ja bereits durch den Anblick von schön arrangiertem Essen auf dem Teller.
Wenn wir zu mehreren am Tisch sitzen, besteht [nicht nur] für mich allerdings die Herausforderung am Ende einer Mahlzeit mit dem Essen aufzuhören, wenn noch immer so viele ausgesprochen leckere Sachen übrig sind. Ich möchte aber nicht nach dem letzten Bissen sofort aufspringen und den Tisch abräumen; schließlich ist ein [noch] gedeckter Tisch nach dem Essen ja richtig gemütlich und es entsteht so eine angenehm gesellige Atmosphäre. Das versuche ich zu lösen, indem ich zukünftig mehr dekorative Elemente wie Blumen, Kerzen etc. und geringere Mengen verschiedener Speisen in kleinen Gefäßen auf den Tisch stelle. Außerdem werde ich mehr Obst oder geschnittenes Gemüse auf den Tisch stellen, sodass man davon noch ein bisschen naschen kann, bevor dann endgültig alles abgeräumt wird.

Gewicht und Essverhalten im Einklang mit unserem Gehirn steuern

Diese kleinen scheinbar unbedeutenden Maßnahmen werden hoffentlich dazu beitragen, mein Essverhalten in die gewünschten Bahnen zu lenken. Ich werde mir in Zukunft auch nicht mehr so viel versagen, um nicht zu einem späteren Zeitpunkt nur umso unkontrollierter über alles „Verbotene“ herzufallen. Ehrlich gesagt hat dieser Low Carb Trend bei mir in dieser Hinsicht mehr Schaden angerichtet, als ich für möglich gehalten hätte… Lieber esse ich in Zukunft bewusster und konzentriere mich auf Getreide mit niedrigem glykämischem Index [ich backe ja genau deshalb mein Brot selbst und mache inzwischen auch hin und wieder meine eigene Pasta], aber Brot und auch Nudeln werde ich mir in Zukunft nicht mehr verbieten.

Ich merke, wie sich nach diesen Erkenntnissen und Veränderungsstrategien in mir etwas entspannt, ohne es genauer benennen zu können. Es fühlt sich gut an.

Das Buch von Iris Zachenhofer [und Marion Reddy] habe ich noch nicht zur Gänze durchgearbeitet. Einige Fragen sind noch ungeklärt geblieben. Doch ich bleibe dran. Ich will endlich Frieden mit mir und meinen Bedürfnissen schließen und nicht ständig gegen den Drang zu essen oder Stimmungen mit Fressattacken zu kompensieren ankämpfen müssen.